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40 Jahre Fotoclub Karben

Mein Rückblick auf 40 Jahre FCK-Vereinsgeschichte
von Ilse Dittrich


Zum zweiten Mal schreibe ich nun anlässlich eines Jubiläums - einmal zum 25-jährigen und jetzt zum 40-jährigen - ein paar Zeilen über „meinen" Club, diesmal soll es meine persönliche Sicht auf die vierzigjährige Clubgeschichte sein.


Im Winter 1972 bot die Volkshochschule einen für damalige Verhältnisse ganz besonderen Kurs in Karben an, nämlich „Fotografieren in Theorie und Praxis" unter der Leitung von Gottfried Arnold, Fotoredakteur der Wetterauer Zeitung. Da ich mit meiner kleinen Sucherkamera schon des öfteren herum geknipst hatte, mein theoretisches Wissen über die Fotografie aber eher bescheidener Natur war, überlegte ich nicht lange und meldete mich an. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass dieser Kurs der Beginn einer großen Leidenschaft meinerseits und der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Karbener Fotoclub e.V. werden würde.

Als der Kurs zu Ende ging, waren sich alle Teilnehmer einig, dass die gerade entstandene Fotogemeinschaft Fortbestand haben solle. Es kam zu regelmäßigen Treffen im Café Schuhmacher, wir schmiedeten Pläne und bereiteten die Gründung eines Vereins vor. Dieser wurde am 27. Oktober 1972 mit 17 Mitgliedern in der Gaststätte „Alt Roggau" in Burggräfenrode aus der Taufe gehoben. In den Vorstand wählten wir Hugo Pawlak, Kurt Spittler, Gottfried Arnold und Richard Kimling und gaben dem Verein den Namen „Foto- und Schmalfilmclub Karben".

Im Jahr 1973 überließ uns die Stadt die erste Etage des alten Schulhauses in Burggräfenrode, wo wir uns ein Labor für die Schwarzweißfilmverarbeitung einrichteten. Es war aber eher provisorischer Art, und auch die Vereinsaktivitäten waren noch wenig strukturiert. Das änderte sich, als der Club im Jahr 1980 ins alte Lehrerhaus in Rendel umzog und sich nach und nach mit allem, was sich der ambitionierte Amateurfotograf wünscht, ausstattete. Wir hatten dort erstmalig einen Versammlungsraum mit Möglichkeiten für die Diaprojektion, einen kleinen Raum für Trockenlaborarbeiten, ein kleines Studio und einen Nassraum. Durch sparsames Wirtschaften und die Unterstützung durch die Stadt und die Arbeitsgemeinschaft Kultur, der wir nun seit vielen Jahren als Mitglied angehören, war es uns möglich, hochwertige Geräte anzuschaffen, mit denen wir Mitglieder entweder gemeinsam oder auch alleine arbeiten und unsere Kenntnisse erweitern konnten. Es gab erste Clubwettbewerbe, Bildbesprechungen, Workshops, Fotospaziergänge, und am Buß- und Bettag des Jahres 1983 wagten wir uns mit der Unterstützung des Ehepaars Tofahrn zum ersten Mal mit Diaschauen an die Öffentlichkeit. Die öffentlichen Diaschauen wurden fester Bestandteil unseres Jahresprogramms und sind es geblieben. Sie sind in diesem Jahr zum 30. Mal durchgeführt worden. Seit mehreren Jahren sind sie integriert in die „Karbener Fototage", die an einem Wochenende im Frühjahr stattfinden und sich von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit erfreuen. So ist z.B. unsere Vernissage am Freitagabend vor dem Ausstellungswochenende inzwischen ein gesellschaftliches Ereignis in Karben und an den beiden Ausstellungstagen kommen viele Fotofreunde von nah und fern, um unsere Bilder zu begutachten.
In den ersten Jahren der Vereinsgeschichte hatte es wenig Kontinuität bei den Vorstandsposten gegeben. Vorstände kamen und gingen, die Mitgliederzahl schwankte, aber immer gab es einen Kern von ambitionierten Mitgliedern, allen voran Hans Puchtinger, die den Club am Leben erhielten. Das Vorstandsteam, das 1980 gewählt wurde, und dem Alfred Heil, Wilfried Vogel und ich angehörten, arbeitete rund 20 Jahre lang eng zusammen und sorgte für ein strukturiertes Programm und dessen regelmäßige Durchführung. Im Jahr 1986 erschien die erste von mir redaktionell betreute „Blende", die ich auf meiner IBM-Kugelkopf- Maschine herunter ratterte und in jedem Quartal per Post an die Mitglieder, Freunde, Presse und befreundete Clubs verschickte.

 

Da dem Verein längst keine Schmalfilmer mehr angehörten, hatten wir den Namen des Clubs im Jahr 1979 in „Fotoclub Karben e.V." geändert.


Im Jahr 1986 bahnte sich eine herzliche Freundschaft mit den Fotofreunden in unserer Partnerstadt St. Egrève an, die leider inzwischen eingeschlafen ist. Befördert wurden die freundschaftlichen Beziehungen durch den damaligen Kulturamtsleiter der Stadt Karben, Frank Gnadl, und auf französischer Seite durch Gérard Besson, den Leiter des Maison des Jeunes et de la Culture Europe MJC Saint-Egrève. Bereits 2 Jahre nach dem Kennenlernen gab es eine erste gemeinsame Fotoausstellung mit dem Thema „Sport" in St. Egrève. Weitere folgten - sowohl in unserer Partnerstadt als auch in Karben. Die Wettbewerbsausstellung von 1991 mit Beiträgen aus St. Egrève, San Marino (verschwistert mit St. Egrève) und Karben ging als Wanderausstellung durch alle drei Städte.

 

Wenn ich an die Besuche der französischen Fotofreunde denke, so denke ich an gemeinsame Ausflüge durch unser schönes Hessen und nach Frankfurt, den Besuch des Hessenparks mit Picknick auf einer Wiese, die Führung bei Leica in Solms und unsere Feiern in Holger Kiefls Partykeller. Auch unsere Reisen nach St. Egrève waren erlebnisreich. Unsere Gastgeber zeigten uns Grenoble und die Schönheiten der Alpenregion im Département Isère. Ich denke gerne zurück an die gastfreundliche Aufnahme und die familiäre Atmosphäre unserer Treffen in Frankreich und auch hier in Karben.

Im Jahr 1999 zog sich Alfred Heil aus dem Vorstand zurück und Wilfried Vogel übernahm den Vorsitz. Ich beendete meine Vorstandstätigkeit zwei Jahre später.

 

Nach der Jahrtausendwende kamen die ersten Digitalkameras auf den Markt, zunächst kleinere Sucherkameras, die wegen ihrer endlos langen Auslöseverzögerung und einer ungewohnten Farbwiedergabe wenig überzeugten. Aber ich war neugierig und behielt die Entwicklung im Auge, allerdings in der festen Überzeugung, niemals das analoge Fotografieren aufzugeben. Aber nachdem ich mir 2005 meine erste digitale Spiegelreflex zulegte, habe ich keine analoge Kamera mehr angefasst. Inzwischen hat die digitale Technik die analoge Fotografie von der Bühne gefegt, jede/r im Club fotografiert ausschließlich digital und tobt sich am PC mit diversen Bildbearbeitungsprogrammen aus. Das hat seinen Reiz, wenn auch auf eine andere Art und Weise als das frühere Arbeiten im Labor, wo man stundenlang hocken und fasziniert dem Schöpfungsprozess eines Schwarzweißbildes in der Entwicklerschale zuschauen konnte, immer in der Überzeugung, das Kunstwerk des Jahrhunderts geschaffen zu haben, das sich dann doch wieder nur als mittelmäßig entpuppte. Aber das war nicht so wichtig, denn der Weg war das Ziel.

 

Mit dem Einzug der digitalen Fotografie bekam auch der Club wieder neuen Aufschwung. Wir mussten alle viel dazu lernen und neue Herausforderungen bewältigen. Das ist uns - denke ich - hervorragend gelungen.

 

Seit gut einem Jahr ist Regina König-Amann unsere Vorsitzende. Ihrem Elan und ihrer Tatkraft ist es zu verdanken, dass unsere Clubräume modernisiert und zweckmäßig umgestaltet wurden. Das war eine wahre Herkulesaufgabe, die ohne die Mithilfe vieler Clubmitglieder und die Unterstützung der Stadt nicht hätte gelingen können.

 

Wenn ich abschließend auf meine 40 Jahre Mitgliedschaft im Fotoclub zurückblicke, so kann ich ohne Pathos sagen, dass der Club ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Ich habe ihm viel zu verdanken, vor allem aber ein Hobby, das mir auch im Alter viele glückliche Stunden beschert.

 

Unserer Vorsitzenden, Frau Regina König Amann, wünsche ich weiterhin ein glückliches Händchen bei der Leitung unseres Fotoclubs.


Ilse Dittrich